Immer dann, wenn Sie zu Konzessionen gezwungen sind, gilt es zunächst einmal, Ruhe zu bewahren, in sich zu gehen und gründlich zu überlegen. Grundfalsch ist es nämlich, sofort loszulegen nach dem Motto: "Kein Problem, wir können da noch einiges nachbessern." Jeden Vorteil oder Vorsprung, den Sie sich erarbeitet haben, geben Sie nun wieder her, da die Gegenseite sofort versuchen wird, weitere Zugeständnisse zu erzielen.
In die gleiche Richtung zielt ein weiterer Fehler, der vor allem dann oft gemacht wird, wenn sich ein für beide Seiten gutes Ergebnis abzeichnet: Im Glauben, ein solches schneller zu erreichen, neigen vor allem unerfahrene Verhandlungsführer dazu, alle einkalkulierten Zugeständnisse auf einmal zu manchen. Das Resultat liegt auf der Hand: Da nun sozusagen "an allen Fronten" weiterverhandelt wird, kann das Endergebnis nur unter Ihrem Minimalziel liegen.
Der wichtigste Grundsatz lautet also: Kalkulieren Sie bei Zugeständnissen stets langfristig. Schätzen Sie dabei zunächst ab, wie groß der Spielraum ist, den Sie haben, und bewerten Sie das, was Sie zu geben bereit sind, damit Sie es gegen die Zugeständnisse der Gegenseite aufrechnen können. Und: Machen Sie der anderen Seite immer deutlich, dass jedes Zugeständnis für Sie ein Verlust ist.
Der zweite Grundsatz, von dem Sie sich leiten lassen sollten, lautet: Schließen Sie jeden Kompromiss ohne "Gesichtsverlust". Das heißt: Auf jedes Ihrer Zugeständnisse muss folgende Formulierung passen: "Da Sie Ihre Position geändert haben, können auch wir in diesem oder jenem Punkt nachgeben."
Und schließlich: Machen Sie zuerst immer nur kleine Zugeständnisse: Manchmal reichen sie schon, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Außerdem lassen sie Ihnen genügend Spielraum für weiteres Verhandeln.
Ein gutes Mittel, um herauszufinden, was die Gegenseite fordern wird oder zu geben bereit ist, sind hypothetische Formulierungen: "Wenn wir unser Angebot um soundsoviel erhöhen, erhalten wir dann auch den Zuschlag für das Geschäft mit XY?" - "Würden Sie uns im Voraus einen Festauftrag erteilen, wenn wir im Preis um soundsoviel nachgeben?"
Mit solchen Formulierungen testen Sie außerdem, wie flexibel die Gegenseite verhandelt. Wie unsere Beispiele zeigen, sind "Wenn … dann"-Fragen hier ein geeignetes Mittel. Wichtig ist dabei, solche Fragen so zu formulieren, dass Sie sich zu nichts verpflichten.